BDSM – das Spiel mit der Lust am Schmerz

BDSM ist 2018 zwar für viele Menschen ein Begriff, aber was sich genau dahinter verbirgt, das ist bei weitem noch nicht allen bewusst. Die (leider immer noch weit verbreitete) Ansicht, dass BDSM nur kranke Menschen betreiben, die sich gerne schlagen lassen, ist auch nach Filmerfolgen wie Fifty Shades of Grey nicht verschwunden. Dabei geht es bei BDSM weder vorrangig ums Schlagen, noch um Sex an sich.

Worum geht es bei BDSM?

Macht und Kontrolle, Ohnmacht und Wehrlosigkeit, Sadismus und Masochismus sind nur sechs von unendlich vielen Begriffen, die beschreiben können, worum es geht. Bei jedem Menschen geht es tatsächlich um etwas anderes. BDSM ist unglaublich vielfältig. Es gibt die unterschiedlichsten Spielelemente, die verschiedensten Varianten, Orte, Instrumente, Neigungen, Fetische, etc.

Ob man selbst dominant oder submissiv, sadistisch oder masochistisch ist, zeigt sich im Laufe der Jahre von selbst – Voraussetzung ist, dass man sich mit sich selbst und seiner Sexualität auseinandersetzt. In sich hinein zu hören und seine eigenen Bedürfnisse zu kennen ist eine Grundvoraussetzung für eine befriedigende Sexualität.

BDSM hat viel mit Reden zu tun

Das mögen jetzt viele nicht glauben, aber der kommunikative Anteil in einer BDSM-Beziehung ist ziemlich hoch. Vor Beginn sollte genau besprochen werden, wie es den Teilnehmern an einer Session heute geht. Jeder Mensch kann gute und schlechte Tage haben, Tage, an denen manche Praktiken passen und andere, an denen weniger mehr ist. Bevor das allererste Mal miteinander gespielt wird muss geklärt werden, was wollen die Teilnehmer überhaupt? Nicht jeder Mensch, der dominant ist verspürt auch gleichzeitig sadistische Tendenzen in sich und nicht jeder, der masochistisch ist ist auch unterwürfig. Da gibt es viele Varianten und Ausprägungen. Und alle haben ihre Berechtigung. Wichtig ist, dass vorher darüber geredet wird.

Nach einer Session sollte gemeinsam reflektiert werden. Was war gut, was sollte beim nächsten Mal anders laufen? Was hat gefehlt? Dieses Gespräch findet am besten auf Augenhöhe statt. Sprich, nachdem das Spiel zu Ende ist und beide wieder außerhalb ihrer Rollen agieren.

Dom und Sub – was bedeutet das?

Die Rollen Dom und Sub, Top und Sub, Master and Slave, Herr und Sklavin (usw.) sind nicht geschlechtergebunden. Es gibt sowohl Frauen, als auch Männer in allen Rollen. Auch die sogenannten dritten Geschlechtsformen sind in der Szene vertreten. Es muss nicht immer Mann und Frau sein.  Es spielen auch nicht immer nur zwei Menschen miteinander, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Manche Menschen tragen beide Seiten in sich. Wenn beide Neigungen – als dominant und submissiv – ausgelebt werden, dann spricht man von Switchern. Dies geschieht nicht innerhalb einer Session, und kann, muss aber nicht, mit denselben handelnden Personen stattfinden. Und so manche/r Dom hat als Sub begonnen und dann die andere Seite für sich entdeckt.

Sicherheit, Nähe und Geborgenheit

Dom muss zu jedem Zeitpunkt während einer Session die Kontrolle über die Situation haben und die Sicherheit von Sub gewährleisten. Nur so kann sich Sub vollends hingeben und alle Macht über sich selbst an Dom abgeben. BDSM hat sehr viel mit Vertrauen zu tun, ja es ist wahrscheinlich das wichtigste Kriterium für gut ausgelebtes BDSM. Während einer Session Nähe und Geborgenheit zu verspüren erweitert die emotionale Komponente. Wenn Dom nach einem schmerzhaften Schlag zum Beispiel zärtlich die Handfläche auf die brennende Stelle legt beruhigt sich der Körper und entspannt sich wieder. Diese kleinen Details im Spiel bereichern das Erlebnis BDSM unglaublich.

Die Hingabe des unterwürfigen Teils der BDSM Beziehung ist in gewisser Weise die Existenzberechtigung des dominanten Teils. Das eine bedingt das andere. Dom ist nur so gut, wie der passende Gegenpart dazu ist, denn ohne Sub kein Dom…Und Sub ist der Spiegel des/der Doms. Sub macht Dom stolz auf sich, wenn er/sie sich voller Hingabe und Vertrauen Dom anvertraut.

BDSM leben

Es gibt Paare, die haben Gefallen daran gefunden, einander zu fesseln und das prickelnde Gefühl der Wehrlosigkeit zu genießen. Ansonsten leben sie eine, der Norm entsprechend Beziehung. Daneben gibt es Paare, die leben BDSM jeden Tag und in jeder Situation ihrer Beziehung, auch öffentlich aus. Und zwischen diesen beiden Skalenenden gibt es unzählige Varianten von BDSM. Jeder Mensch entscheidet für sich, wie er seine Sexualität auslebt. Und solange es sich um BDSM im einvernehmlichen Kontext handelt, ist alles erlaubt, was Spaß macht!